Selbstführung: Chef*in im eigenen Leben
- Simone

- 23. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Führung ist nicht nur etwas, das in Vorstandsetagen passiert. Jeder Mensch führt – und zwar sich selbst. Selbstführung bedeutet, die Richtung im eigenen Leben zu bestimmen, statt nur auf äußere Umstände zu reagieren. Klingt nach einer großen Aufgabe? Ist es auch. Aber sie ist machbar – und erstaunlich befreiend.
Was gehört zur Selbstführung?
Selbstführung ist ein ziemlich vielseitiges Feld. Einige Bausteine sind:
Selbstorganisation: Wer sich selbst führt, kennt seine Termine, Deadlines und Prioritäten – und lässt sich nicht dauerhaft vom nächsten Katzenvideo entführen.
Selbstreflexion: Ohne den ehrlichen Blick in den Spiegel wird Selbstführung schnell Selbstillusion. Wer bin ich, was will ich, wo sabotiere ich mich selbst?
Selbstmotivation: Ja, Netflix ist verlockend. Aber die Steuererklärung macht sich nicht von allein. Hier entscheidet sich, ob man den inneren Schweinehund spazierenführt – oder von ihm hinterhergeschleift wird.
Selbstdisziplin: Motivation bringt dich an den Start, Disziplin bringt dich ins Ziel. Oder zumindest zum Zahnarzt.
Selbstfürsorge: Führung heißt nicht, sich pausenlos zu optimieren. Schlaf, Ernährung, Pausen und soziale Kontakte sind keine „Nice-to-have“-Extras, sondern das Fundament.

Die Talente der Selbstführung
Gute Selbstführung erfordert bestimmte „Talente“. Manche sind angeboren, die meisten kann man trainieren:
Klarheit: Die Fähigkeit, zwischen wichtig und unwichtig zu unterscheiden.
Entscheidungsstärke: Nicht alles ewig durchkauen, sondern auch mal sagen: „So machen wir’s.“
Fokus: Konzentration halten, auch wenn das Handy brummt.
Flexibilität: Denn selbst die beste Planung wird gelegentlich von der Realität überrollt.
Humor: Wer über sich selbst lachen kann, bleibt beweglicher und leichter.
Was sagt die Forschung?
Selbstführung klingt vielleicht nach einer Modeerscheinung aus dem Coaching-Baukasten, ist aber gut untersucht.
Eine Meta-Analyse von Breevaart & Bakker (2018) zeigt, dass Menschen mit hoher Selbstführung signifikant produktiver arbeiten und weniger Burnout-Symptome entwickeln. Der Grund: Sie steuern nicht nur ihre Aufgaben, sondern auch ihre Emotionen und Energie.
Studien von Manz & Sims (klassische Pioniere der Selbstführung, 1980er–2000er) belegen, dass Selbstführung eng mit Eigeninitiative, Verantwortungsbewusstsein und langfristiger Zielerreichung verknüpft ist.
Neuere Forschung (z. B. Neck & Houghton, 2019) verbindet Selbstführung mit höherer Arbeitszufriedenheit und besserer Teamfähigkeit – Menschen, die sich selbst führen, bringen auch in Gruppen mehr Struktur und Balance ein.
Kurz: Selbstführung ist kein esoterischer Luxus, sondern ein messbarer Erfolgsfaktor – für Leistung und für Gesundheit.
Wie wird man besser in Selbstführung?
Die gute Nachricht: Selbstführung ist kein exklusives Talent für Superhelden. Sie funktioniert nach dem Prinzip „trainieren statt warten“. Ein paar praktische Wege:
Mini-Routinen entwickeln: Lieber kleine, machbare Gewohnheiten etablieren, statt den großen Masterplan zu entwerfen, der nach drei Tagen kollabiert.
Ziele visualisieren: Aufschreiben, aufhängen, sichtbar machen. Das Gehirn liebt Klarheit.
Reflexion einplanen: Einmal die Woche ein kurzes Check-in mit sich selbst: Was lief gut, was nicht, was brauche ich jetzt?
Störungen managen: Notifications ausschalten ist keine Schande, sondern Selbstschutz.
Feedback einholen: Auch Selbstführung profitiert von anderen Perspektiven – Freunde, Kolleginnen oder ein Coach können blinde Flecken sichtbar machen.
Selbstführung heißt, den Alltag aktiv zu gestalten statt sich treiben zu lassen.
Mal klappt alles nach Plan, mal kommt etwas Unerwartetes dazwischen. Entscheidend ist nicht, jedes Detail perfekt im Griff zu haben, sondern handlungsfähig zu bleiben. Studien zeigen: Wer Selbstführung trainiert, ist gesünder, ausgeglichener – und erreicht seine Ziele oft effizienter. Und wenn doch etwas schiefgeht, hilft eine gute Portion Humor, fröhlich weiterzumachen.



