Warum du dich immer in denselben Typen verliebst (und was das mit deinem Nervensystem zu tun hat)
- Simone

- 17. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
„Warum lande ich immer bei denselben Männern?“Vielleicht klingt dir dieser Gedanke vertraut. Du triffst jemanden, der ganz anders scheint – und wenige Wochen später fühlst du dich wie in einer Wiederholung deiner letzten Beziehung. Nur mit anderem Namen.
Was, wenn das kein Zufall ist?Was, wenn nicht dein Beuteschema schuld ist – sondern dein Nervensystem?
Liebe ist (auch) Biochemie
Wenn wir uns verlieben, ist das kein rein rationaler Vorgang. Dein Körper reagiert auf bestimmte Signale – Körpersprache, Stimmlage, Geruch, emotionale Energie – und ordnet sie blitzschnell in „vertraut“ oder „fremd“ ein.Das Nervensystem sucht Sicherheit. Doch hier liegt der Haken: Vertraut fühlt sich nicht immer sicher an – sondern oft einfach nur bekannt.
Wenn du in deiner Kindheit gelernt hast, Liebe mit Unsicherheit, Rückzug oder emotionaler Unverfügbarkeit zu verknüpfen, dann wird genau dieses Muster später in Beziehungen „normal“ wirken. Dein Nervensystem erkennt es wieder – und interpretiert es als Zugehörigkeit.
Neurobiologisch gesehen passiert dabei Folgendes:
Das limbische System (der emotionale Teil deines Gehirns) aktiviert gespeicherte Bindungserfahrungen.
Der Vagusnerv, der zentrale Bestandteil des sogenannten Polyvagal-Systems, reagiert auf Reize, die Sicherheit oder Gefahr signalisieren.
Wenn frühere Erfahrungen Bindung mit Stress verbunden haben, gerät dein System in Hyperarousal (Überaktivierung) oder Shutdown (Rückzug) – lange bevor dein rationales Denken eingreift.

Warum wir uns in „falsche“ Menschen verlieben
Du verliebst dich nicht in wer jemand ist – sondern in das Gefühl, das dein Nervensystem mit dieser Person verbindet.Wenn also jemand unberechenbar, distanziert oder dominant ist, und dein Körper trotzdem anspringt, dann heißt das: Das fühlt sich an wie Zuhause.Tragisch, aber wahr.
Das ist kein Zeichen emotionaler Schwäche, sondern ein neurobiologisches Muster. Dein System sucht die Chance, eine alte Wunde neu zu schreiben – in der Hoffnung, diesmal anders zu enden. Doch das endet meist nicht anders, sondern gleich.
Der Weg raus: Dein Nervensystem umprogrammieren
Die gute Nachricht:Du kannst deinem Körper beibringen, dass Ruhe, Verlässlichkeit und emotionale Nähe sicher sind. Hier sind praktische Schritte, um dein Nervensystem zu regulieren und deine Muster zu verändern:
1. Beobachte, bevor du bewertest
Führe ein „Nervensystem-Tagebuch“. Notiere, wie du dich in Gegenwart bestimmter Menschen fühlst – körperlich, nicht nur emotional.
Wird dein Atem flach?
Fühlst du dich eng in der Brust?
Oder entspannt sich dein Körper?
Diese Signale sagen mehr über deine Bindungsmuster als jede Dating-App.
2. Beruhige dein System regelmäßig
Regulierung beginnt im Alltag, nicht erst in der Krise.
Atmung: Tiefe Bauchatmung (4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus) aktiviert den ventralen Vagusnerv und signalisiert Sicherheit.
Körperkontakt: Lege eine Hand auf dein Herz oder deinen Bauch. Physische Selbstberührung kann den Parasympathikus aktivieren.
Bewegung: Langsames Gehen, Yoga, Tanz – all das hilft, gespeicherte Spannung zu entladen.
3. Suche „sichere“ Menschen
Übe, dich mit Menschen zu umgeben, bei denen dein Körper sich ruhig anfühlt – auch wenn es langweilig wirkt.Langweilig ist oft nur der neue Name für sicher. Mit der Zeit lernt dein Nervensystem, dass Sicherheit schön sein darf.
4. Reflektiere mit Mitgefühl, nicht mit Schuld
Scham hält dich im alten Muster fest. Verstehen befreit.Du bist nicht „beziehungsunfähig“ – dein Körper folgt nur einem alten Drehbuch.Deine Aufgabe ist es, die Regie zu übernehmen.
Sich immer wieder in denselben Typ zu verlieben, ist kein Zeichen von Dummheit oder masochistischer Romantik – es ist ein Hinweis auf ein Nervensystem, das Sicherheit und Vertrautheit verwechselt.Wenn du lernst, deine körperlichen Signale zu lesen, zu beruhigen und neu zu verknüpfen, wird Liebe plötzlich nicht mehr Drama bedeuten – sondern Frieden.
Quellen & weiterführende Literatur
Porges, S. W. (2011). The Polyvagal Theory: Neurophysiological Foundations of Emotions, Attachment, Communication, and Self-Regulation.
Levine, P. (2010). In an Unspoken Voice: How the Body Releases Trauma and Restores Goodness.
Fisher, H. (2004). Why We Love: The Nature and Chemistry of Romantic Love.
Siegel, D. J. (2012). The Developing Mind: How Relationships and the Brain Interact to Shape Who We Are.
Cozolino, L. (2014). The Neuroscience of Human Relationships.



