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Loslassen lernen – warum es so schwerfällt und wie es leichter gelingt

  • Autorenbild: Simone
    Simone
  • 9. Sept. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Loslassen klingt so einfach – und fühlt sich oft an, als würde man versuchen, einen nassen Luftballon in der Hand zu behalten: Je fester man drückt, desto mehr entgleitet er. Ob es um den Tod eines geliebten Menschen geht, die Kinder, die das Haus verlassen, eine Trennung oder Freundschaften, die sich verändern – das Leben ist eine ständige Einladung, Dinge und Menschen loszulassen. Nur: Die wenigsten von uns haben je einen Kurs dazu besucht.


Warum fällt uns Loslassen so schwer?


Das Nicht-Loslassen hat oft weniger mit Sturheit zu tun, sondern mit sehr menschlichen Mechanismen:

  • Sicherheitsbedürfnis: Unser Gehirn liebt Gewohnheit. Veränderungen signalisieren Unsicherheit, und darauf reagiert das Nervensystem mit Widerstand.

  • Bindung: Laut der Bindungstheorie (Bowlby, 1969) sind enge Beziehungen überlebenswichtig. Deshalb empfinden wir Trennungen oder Abschiede wie kleine „Überlebenskrisen“.

  • Identität: Manchmal hängen wir nicht nur an Menschen oder Dingen, sondern auch an der Rolle, die wir mit ihnen hatten. Wer bin ich, wenn ich nicht mehr Mutter im Vollzeitmodus bin? Oder wenn ich nicht mehr „der beste Freund von XY“ bin?


Bereiche des Loslassens im Leben

  • Tod: Abschied vom Unumkehrbaren. Trauer ist hier keine Störung, sondern ein notwendiger Prozess. Studien zeigen, dass Trauer in Wellen verläuft und Zeiträume von mehreren Jahren umfassen kann.

  • Kinder ziehen aus: Das berühmte „Empty Nest“. Loslassen bedeutet hier, die Rolle neu zu definieren – weniger als Beschützer, mehr als Begleiter.

  • Trennung: Ob von Partnern oder Lebensplänen – das Loslassen ist doppelt schwer, weil wir nicht nur den Menschen, sondern auch die gemeinsame Zukunft verabschieden.

  • Freundschaften: Manche Beziehungen laufen sich einfach aus. Anzuerkennen, dass nicht jeder Mensch ein Leben lang bleibt, ist Teil des Erwachsenwerdens.





Methoden, die beim Loslassen helfen


  1. Akzeptanz statt KampfStudien zur Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) zeigen: Wer Gefühle zulässt, statt sie wegzudrücken, erlebt weniger Leid. Trauer, Wut oder Enttäuschung dürfen da sein – sie gehen auch wieder.

  2. Rituale schaffenEin Brief, der nie abgeschickt wird. Ein symbolisches Loslassen wie das Verbrennen alter Zettel. Rituale helfen dem Gehirn, einen klaren Übergang zu markieren.

  3. Körper einbeziehenAtemübungen, Yoga oder Sport sind mehr als Wellness. Sie helfen, Stresshormone abzubauen und den Körper aus dem „Festhalten“-Modus zu holen.

  4. Neues füllen lassenLoslassen heißt nicht, dass ein Loch bleibt. Es schafft Raum. Forschung zur Resilienz (Bonanno, 2004) zeigt, dass Menschen, die aktiv Neues gestalten – neue Hobbys, Kontakte, Routinen – besser mit Verlusten umgehen.

  5. Gedanken beobachtenWer dazu neigt, sich im Grübeln zu verheddern, kann mit Methoden aus der Achtsamkeitsforschung (Kabat-Zinn, 1990) lernen, Gedanken als vorbeiziehende Wolken zu sehen – und nicht als Tatsachen.


Was hinter dem Festhalten steckt


Oft ist Festhalten ein Ausdruck von Angst: Angst vor Leere, vor Bedeutungslosigkeit, vor dem Unbekannten. Wer das erkennt, kann gezielt an dieser Ebene arbeiten. Loslassen heißt nicht, die Vergangenheit zu verleugnen – sondern anzuerkennen, dass sie nicht mehr Gegenwart ist.


Loslassen ist keine einmalige Heldentat, sondern ein Prozess, der mal holprig, mal fließend verläuft. Je besser wir verstehen, warum es uns so schwerfällt, desto milder können wir mit uns selbst umgehen. Und vielleicht ist genau das der erste Schritt zum Loslassen: die Erkenntnis, dass wir nichts erzwingen können und müssen.

 
 
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