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Embodiment und Focusing im Coaching: Warum es so wichtig ist, sich selbst zu spüren

  • Autorenbild: Simone
    Simone
  • 27. Mai 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Im Coaching geht es oft um Klarheit, Entscheidungen und Veränderung. Doch manchmal stockt der Prozess – nicht, weil der Verstand nicht weiterweiß, sondern weil der Körper nicht gehört wurde. Genau hier kommen Embodiment und Focusing ins Spiel. Sie helfen uns, mit einer tieferen inneren Intelligenz in Kontakt zu treten – mit dem, was wir wirklich fühlen und wissen.


Was bedeutet Embodiment im Coaching?

Embodiment heißt: der Körper denkt mit. Unsere Emotionen, Haltungen und Überzeugungen drücken sich nicht nur in Sprache aus, sondern auch in unserer Körperhaltung, Atmung, Muskelspannung oder inneren Bewegung.

Als Coach bedeutet das: Wenn ein Coachee „es fühlt sich nicht richtig an“ sagt – oder „ich weiß es im Kopf, aber ich komme trotzdem nicht ins Handeln“ – ist das ein Zeichen, den Körper mit einzubeziehen.


Beispiel: Eine Coachee spricht über eine berufliche Entscheidung. Sie sagt, dass der Wechsel „vernünftig“ wäre – aber in dem Moment, wo sie darüber spricht, zieht sich ihre Körperhaltung zusammen. Ein Hinweis: der Körper ist nicht mit an Bord.


Was ist Focusing?

Focusing ist eine Methode, mit innerem Körperwissen in Kontakt zu kommen – dem sogenannten Felt Sense. Es ist ein vages, noch nicht ganz in Worte gefasstes Gefühl, das oft mehr weiß als der Verstand allein. Entwickelt wurde diese Methode von Eugene Gendlin in der psychotherapeutischen Forschung – heute wird sie erfolgreich im Coaching eingesetzt.

Im Coaching bedeutet Focusing: Anhalten. Hineinspüren. Raum geben. Nicht sofort analysieren, sondern fühlen, was wirklich da ist – und daraus neue Erkenntnisse entstehen lassen.






Warum Embodiment und Focusing im Coaching so wirkungsvoll sind


1. Tiefere Klarheit statt rein kognitiver Lösungen

Viele Coachees „wissen“ bereits, was sie tun sollten – aber es fühlt sich nicht stimmig an. Durch Focusing erkennen sie, was in ihnen noch nicht mitgehen kann. Dadurch entsteht echte Klarheit, die auf innerer Übereinstimmung basiert.

2. Aktivierung innerer Ressourcen

Wenn Menschen sich selbst spüren, erleben sie sich als wirksam und verbunden. Körperbewusstsein stärkt die Selbstwahrnehmung, das Vertrauen in die eigene Intuition – und öffnet den Raum für neue Handlungsoptionen.

3. Besserer Umgang mit emotionalen Blockaden

Angst, Unsicherheit oder Ambivalenz zeigen sich oft körperlich – z. B. als Enge, Druck oder Ziehen. Indem wir diese Empfindungen achtsam begleiten, ohne sie sofort „wegzudenken“, können sie sich wandeln. Focusing bietet hier eine sanfte und gleichzeitig kraftvolle Technik.

4. Stärkere Verankerung von Veränderung

Veränderung, die auch körperlich gespürt wird, bleibt. Wenn ein neuer Glaubenssatz nicht nur gedacht, sondern gefühlt wird, hat er eine viel größere Chance, im Alltag wirksam zu werden.


Wissenschaftlicher Hintergrund

  • Studien zeigen, dass ein hohes Maß an Körperbewusstsein (Body Awareness) mit emotionaler Resilienz, Empathie und Selbstregulation zusammenhängt (Mehling et al., 2011).

  • Gendlin fand heraus, dass erfolgreiche Veränderungsprozesse fast immer mit einem körperlich spürbaren Shift einhergehen – also einer inneren Bewegung, die durch das Focusing entsteht.

  • Der Neurowissenschaftler Antonio Damasio betont in seiner Forschung, dass der Körper eine zentrale Rolle für Entscheidungen spielt – nicht als „Gegenspieler“ des Verstands, sondern als Partner.


Ein Beispiel aus dem Coaching-Alltag

Lena, 42, steht vor der Entscheidung, ob sie ihre Führungsrolle im Unternehmen aufgeben will. Rational spricht vieles dafür – aber sie ist wie gelähmt. Im Coaching wird klar: In ihrem Bauch liegt ein vages, unruhiges Gefühl. Im Focusing zeigt sich ein Bild: „Als würde ich einen Teil von mir zurücklassen.“ Dieses Bild bringt einen inneren Prozess in Gang – und führt sie zu einer anderen Lösung, die sich ganzheitlich stimmig anfühlt.


Der Körper als Co-Coach

Embodiment und Focusing bringen eine neue Tiefe ins Coaching. Sie ermöglichen es Coachees, sich selbst besser zu verstehen – jenseits von Gedanken und Argumenten. Denn Veränderung beginnt oft nicht im Kopf, sondern im Bauch, in der Brust oder in der Stimme. Wer den Körper mit ins Gespräch holt, hat einen kraftvollen Partner an seiner Seite.

 
 
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