Der lange Schatten der Scham: Wege aus innerer Kritik und Selbstzweifel
- Simone

- 25. Juni 2025
- 2 Min. Lesezeit
Wer kennt das nicht: Du verpatzt eine Präsentation, vergisst den Geburtstag deiner besten Freundin oder sagst aus Versehen "Du auch" auf ein "Viel Spaß im Urlaub". Willkommen in der Scham-Zone, der Ort, an dem sich dein Hirn entscheidet, dich mit einem mentalen Prügelstock zu vertrimmen. Völlig kostenlos und ohne Vorwarnung.
Was ist Scham überhaupt?
Scham ist nicht nur dieses flaue Gefühl im Magen. Es ist ein soziales Alarmsystem. Brené Brown, die Grand Dame der Schamforschung (ja, das ist ein echter Beruf), beschreibt Scham als das Gefühl, grundlegend falsch zu sein. Anders als Schuld, bei der man denkt: "Ich habe etwas Falsches getan", flüstert Scham: "Ich bin falsch."
"Scham ist der intensiv schmerzhafte Glaube, dass wir nicht liebenswert sind und keine Zugehörigkeit verdienen." — Brené Brown, Verletzlichkeit macht stark

Konditionierung: Die Ursuppe der Scham
Wir werden nicht mit Scham geboren. Babys schämen sich nicht, wenn sie nackt durch die Gegend krabbeln oder beim Essen aussehen wie ein Jackson-Pollock-Gemälde. Scham ist erlernt. Wir saugen sie auf wie ein Schwamm in der Gesellschaftssuppe: durch Erziehung, Schule, Religion, Medien.
"Sei brav!", "Schäm dich!", "Was sollen die Nachbarn denken?" — Klassiker aus dem Kanon der seelischen Hausmusik. Und so konditionieren wir uns zu Menschen, die lieber mit einem Knoten im Bauch leben, als einmal laut "Nein" zu sagen.
Du willst mehr Geld für deine Arbeit, sagst aber nichts, weil du dich dann gierig fühlst. Scham.
Du hast eine andere Meinung als deine Clique, aber du hältst den Mund. Scham.
Du machst einen Fehler im Meeting und dein Kopf wird zur Tomate. Scham.
Und das ist noch nicht mal die Deluxe-Version – bei der ein winziger, peinlicher Moment (zum Beispiel ein versehentlicher Furz beim Date – nein, nicht ich, aber… sagen wir, nah dran 😏) dich in eine Spirale existenzieller Selbstzweifel schickt.
Wie zum Teufel kommt man da raus?
Brené Brown sagt: Das Gegenmittel zur Scham ist Empathie. Wenn du das Licht auf etwas richtest, das du lieber im Dunkeln lassen würdest, verliert es seine Macht. Also:
Sprich darüber. Scham liebt Geheimnisse. Teile deine Gefühle mit jemandem, der es verdient, sie zu hören.
Benenne sie. "Ich schäme mich gerade, weil..." Das allein nimmt dem Monster schon ein bisschen den Schrecken.
Frage dich: Wer hat mir beigebracht, dass das falsch ist? Manchmal stellst du fest: Die Quelle ist ein 80er-Jahre-Werbespot oder Omas katholische Erziehung. Also... vielleicht nicht mehr so aktuell.
"Scham kann nicht überleben, wenn man sie ausspricht, wenn sie in Empathie getaucht wird und wenn sie gehört wird." — Brené Brown
Scham ist wie dieser eine nervige Ex: Kommt immer unangekündigt, kritisiert alles an dir und hat keine Ahnung, wann er verschwinden soll. Aber du musst ihm nicht die Haustür öffnen. Du kannst sagen: "Danke für deine Meinung, aber ich hab’ da gerade ein Self-Love-Date."
Also raus aus dem Schamkorsett. Zieh dir lieber was Bequemes an. Vielleicht Mut. Oder Humor. Oder einfach beides.
Wenn du mehr über Brené Browns Arbeit lesen willst: Schau dir "Verletzlichkeit macht stark" (Daring Greatly) oder "Schamlos stark" (The Gifts of Imperfection) an. Und denk dran: Du bist nicht falsch. Du bist nur Mensch. Und das ist verdammt mutig genug.



