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Solange wir schweigen, tragen Frauen die Kosten allein


Wenn der Körper leise die Regeln ändert


Irgendwann – oft zwischen Anfang 40 und Anfang 50, manchmal früher – beginnt bei vielen Frauen eine Phase, in der der Körper neue Spielregeln einführt. Nicht über Nacht, nicht dramatisch. Eher schleichend. Und fast immer ohne Sprache dafür.Die Perimenopause ist diese Übergangszeit, in der Hormone unzuverlässiger werden. Die Menopause selbst ist ein einzelner Zeitpunkt: die letzte Regelblutung, rückblickend festgestellt. Danach folgt die Postmenopause. Medizinisch sauber getrennt – gesellschaftlich weitgehend ignoriert.


Was sich biologisch verändert

Was passiert, ist gut erklärbar. Östrogen und Progesteron schwanken. Diese Hormone steuern nicht nur den Zyklus, sondern auch Schlaf, Stressverarbeitung, Stimmung, Konzentration und körperliche Belastbarkeit. Wenn sie unruhig werden, wird es der Mensch oft auch.Unruhiger Schlaf, Hitzewallungen, Gereiztheit, Brain Fog, schnellere Erschöpfung, dünnere Nerven. Nicht bei allen. Nicht immer gleichzeitig. Aber häufig genug, um nicht als Befindlichkeit abgetan zu werden.



Die leisen Folgen im Alltag

Und doch passiert genau das. Im Alltag zeigen sich die Folgen meist leise. Beruflich kostet Multitasking plötzlich deutlich mehr Kraft. Die berühmte „extra Meile“ fühlt sich unverhältnismäßig an. Fehler unter Druck nehmen zu – nicht weil Kompetenz fehlt, sondern weil sich die Stressverarbeitung verändert.Privat sinkt die Toleranz für Daueranspannung, Konflikte eskalieren schneller, Rückzug wird zum notwendigen Selbstschutz. Der Körper priorisiert neu – während das Umfeld oft erwartet, dass alles weiterläuft wie bisher.


Warum das kein individuelles Problem ist

Das Problem ist nicht nur individuell. Es ist strukturell. Solange hormonelle Übergänge als Privatsache gelten, tragen Frauen die Anpassungskosten allein: durch Selbstzweifel, Überanpassung, Erschöpfung oder stillen Rückzug.Dabei ist das kein Leistungsabfall und kein persönliches Versagen, sondern eine neurohormonelle Realität.


Was nachweislich entlastet


  1. Benennen, was passiert. Wissen entlastet messbar

  2. Ernsthafte Selbstfürsorge, nicht die dekorative Version. Schlaf, Bewegung und Erholung sind Voraussetzungen für Stabilität.

  3. Medizinische Abklärung bei stärkeren Symptomen – inklusive einer sachlichen Prüfung, ob eine Hormontherapie sinnvoll sein könnte. Ohne Ideologie, mit individueller Abwägung.

  4. Psychologische Begleitung oder Coaching, um Erwartungen neu zu sortieren – die eigenen und die der anderen.


Die Rolle des Umfelds

Unterstützen heißt nicht therapieren. Es heißt: weniger bewerten, mehr glauben. Weniger „stell dich nicht so an“, mehr „was würde dir konkret helfen?“.Im Arbeitskontext können Flexibilität, klare Prioritäten und Ergebnisorientierung viel bewirken. Privat ist praktische Entlastung oft hilfreicher als gut gemeinte Ratschläge.



Fragen zur Selbstklärung

Diese Phase fordert Selbstführung. Nicht durch mehr Disziplin, sondern durch ehrlichere Grenzen.

  • Woran merke ich aktuell am deutlichsten, dass meine Belastbarkeit sich verändert hat?

  • Welche Anforderungen halte ich nur aus Gewohnheit aufrecht – nicht, weil sie sinnvoll sind?

  • Wo übergehe ich Signale meines Körpers, um weiterhin „zu funktionieren“?

  • Was würde meinen Alltag realistisch um 10–20 % entlasten?

  • Welche Unterstützung fordere ich nicht ein – und was befürchte ich dabei?



Perimenopause und Menopause sind Entwicklungsphasen mit konkreten Auswirkungen auf Energie, Belastbarkeit und Selbststeuerung. Sie verlangen keine Optimierung, sondern Anpassung. Wer versteht, was sich verändert, kann Entscheidungen bewusster treffen – über Tempo, Prioritäten und Grenzen. Das reduziert Reibung, im eigenen System ebenso wie im Zusammenspiel mit anderen.


 
 
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