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New Work ohne Burnout – Karriere machen ohne 60-Stunden-Woche

  • Autorenbild: Simone
    Simone
  • 19. Nov. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

„Work smarter, not harder“ – dieser Satz hat sich längst zum modernen Mantra entwickelt. Aber Hand aufs Herz: Wie viele von uns haben sich trotzdem schon wieder dabei ertappt, abends um neun Uhr noch Mails zu beantworten oder gedanklich die To-do-Liste für morgen zu sortieren? Willkommen in der schönen neuen Arbeitswelt – der Ära von New Work.


Was ist „New Work“ eigentlich?

Der Begriff stammt von Frithjof Bergmann, einem österreichisch-US-amerikanischen Sozialphilosophen, der in den 1980er-Jahren die Idee von „New Work“ entwickelte. Sein Ansatz war revolutionär: Arbeit sollte nicht mehr nur ein Mittel zum Geldverdienen sein, sondern Ausdruck von Freiheit, Sinn und Selbstverwirklichung. Bergmann sah die klassische Lohnarbeit als überholt – er wollte eine neue Arbeitskultur, in der Menschen das tun, „was sie wirklich, wirklich wollen“.

Heute ist New Work zu einem Sammelbegriff für moderne Arbeitsformen geworden:

  • Flexible Arbeitszeiten und Remote Work,

  • flache Hierarchien statt starrer Strukturen,

  • Selbstorganisation und Purpose-orientierte Unternehmen,

  • agile Methoden und digitale Tools,

  • Fokus auf Sinn, Kreativität und persönliche Entwicklung.


Kurz gesagt: Arbeit, die uns erfüllt, anstatt uns auszulaugen.





Die Vorteile: Freiheit, Sinn und Selbstbestimmung

Für viele Berufstätige klingt das wie ein Traum – und oft ist es das auch. Studien zeigen, dass Selbstbestimmung und Flexibilität zu höherer Motivation und Zufriedenheit führen. Eine Untersuchung der Universität St. Gallen (2022) etwa belegt, dass Menschen in flexiblen Arbeitsmodellen signifikant weniger Stresssymptome aufweisen.

New Work kann:

  • Burnout-Risiken senken, weil Menschen mehr Einfluss auf ihre Arbeit haben,

  • Produktivität steigern, weil Selbstverantwortung intrinsische Motivation fördert,

  • Kreativität fördern, weil Raum für Neues entsteht,

  • Lebensqualität verbessern, weil Arbeit und Privatleben besser vereinbar sind.

Klingt nach der Lösung aller Arbeitsprobleme, oder?



Die Kehrseite: Freiheit braucht Grenzen

Leider ist New Work kein Allheilmittel. Denn mit der Freiheit wächst auch die Verantwortung. Wenn Grenzen verschwimmen – zwischen Arbeit und Freizeit, Laptop und Sofa, Zoom-Call und Familienabend – dann droht genau das, was New Work eigentlich verhindern wollte: chronische Überforderung.

Viele erleben heute statt mehr Freiheit eine neue Form des Drucks:

  • Ständige Erreichbarkeit,

  • das Gefühl, immer „on“ sein zu müssen,

  • Selbstoptimierungszwang,

  • und der Druck, die eigene Arbeit ständig „sinnstiftend“ zu gestalten.


Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse (2023) leiden fast 30 % der Berufstätigen unter Symptomen von Erschöpfung oder Überlastung – trotz (oder gerade wegen) flexibler Arbeitsmodelle.



Wie man Burnout vorbeugt – und trotzdem Karriere macht

  1. Klare Grenzen setzenFlexibilität heißt nicht, rund um die Uhr verfügbar zu sein. Definiere Arbeitszeiten – und halte sie ein. „Offline ist das neue Luxusgut“, schrieb der Psychologe Stephan Grünewald treffend.

  2. Prioritäten bewusst wählenKarriere ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Studien der Harvard Business School zeigen: Wer langfristig erfolgreich ist, setzt auf Qualität, nicht auf Quantität der Arbeitszeit.

  3. Selbstfürsorge als ErfolgsfaktorBewegung, Schlaf, Pausen, soziale Kontakte – all das sind keine „Nice-to-haves“, sondern Voraussetzung für nachhaltige Leistungsfähigkeit.

  4. Sinn finden – nicht suchenPurpose entsteht nicht immer durch große Missionen. Manchmal reicht schon das Gefühl, etwas beizutragen, das einem entspricht.

  5. Reflexion und Achtsamkeit übenRegelmäßige Selbstreflexion – etwa durch Journaling oder Coaching – hilft, rechtzeitig gegenzusteuern, bevor die Belastung kippt.


Erfolg ohne 60-Stunden-Woche? Absolut.

Mehrere Meta-Analysen (u. a. von der Stanford University, 2021) zeigen: Produktivität sinkt drastisch, sobald Menschen regelmäßig über 50 Stunden pro Woche arbeiten. Nach 55 Stunden ist sie kaum höher als bei 40 Stunden – dafür steigen Fehler, Stress und Krankheitsrisiken exponentiell.


Wirklich erfolgreiche Karrieren entstehen nicht durch Dauerarbeit, sondern durch kluge Energieverteilung, gute Beziehungen und das, was Bergmann schon vor 40 Jahren forderte: Arbeit, die man wirklich, wirklich will.


New Work ist kein Buzzword, sondern eine Einladung, Arbeit neu zu denken – menschlicher, sinnvoller, nachhaltiger. Doch Freiheit braucht Struktur, Sinn braucht Pausen, und Erfolg braucht Balance.


Karriere ohne 60-Stunden-Woche ist möglich – wenn wir verstehen, dass Leistung und Lebensfreude keine Gegensätze sind.



Quellen

  • Bergmann, F. (1984): New Work, New Culture

  • Universität St. Gallen (2022): Work Flexibility and Well-being Study

  • Techniker Krankenkasse (2023): TK-Stressstudie 2023

  • Stanford University (2021): Productivity vs. Working Hours – Meta Analysis

  • Harvard Business School (2020): Sustainable Success and Time Management

 
 
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